Titel
MehRing
Lilo Klinkenberg
Martina Suchanek
Yair Kira
Kathrin Seitz
Julian Graf

MehRing

Die Baustelle am Mehringplatz: Gesprächsthema Nr. 1 für Bewohnerinnen genauso wie für Passanten. Zu lange tut sich schon nichts mehr, die meisten sind genervt und blicken teils fassungslos, teils wütend auf den über lange Strecken blickdichten Bauzaun. Was wirklich dahinter passiert und wie lange es die Baustelle noch geben wird, weiß kaum einer. Das Konzept soll den Bauzaun mit einer positiven Konnotation belegen und ihn beinah unabdingbar für die Bewohner/innen des Mehringplatzes machen. Die Menschen im Kiez bekommen die Möglichkeit, sich den Zaun anzueignen. Die Szenografie eines Kreislaufs nimmt die verschiedenen Informationen und Möglichkeiten auf, die der Zaun produziert – und setzt sie in Beziehung zueinander. Darüber werden auch die vielen einzelnen Initiativen vor Ort gestärkt und gebündelt.
Mit der Realität beginnt der Prozess der Aneignung in unmittelbarer Nähe zum U-Bahn-Aufgang Richtung Friedrichstraße. Dieser Bereich behandelt den Ist-Zustand der Baustelle, Informationen zum Baufortschritt, zum Quartiersmanagement und zur Geschichte des Platzes. Zusätzlich werden Veranstaltungen im Kiez beworben.
Protestieren: Den Emotionen, die dieser Zustand provoziert, bietet der im Westen anschließende Teil des Bauzauns Raum. Neben typografischer Provokation und beispielsweise einer Pissoir-Installation können die Menschen im Kiez hier ihrem Unmut Ausdruck verleihen. Im Prozess folgt auf den Protest erneut das Gefühl des Stillstands (Zaunabschnitte, durch die man durchblicken und sehen kann, dass sich nichts tut). Am Bretterzaun wird dieses widergespiegelt durch einen Screen, der im Zeitrafferloop die Mehringplatz-Baustelle zeigt. Tag und Nach wechseln, während nichts passiert.
Aneignung: Dann beginnt die Akzeptanz des Bauzauns. Im folgenden Abschnitt der Absperrung bieten Plakattemplates eine Organisation für Werbung der am Platz ansässigen Geschäfte, Initiativen und Cafés. Im Anschluss benutzen die Anwohnerinnen des Mehringplatzes den Bauzaun auf vielfältige Art und Weise für ihre Zwecke. Ein Garten könnte entstehen, genauso wie eine Tauschbörse oder eine Kleinanzeigen-Plattform.
Wunsch: Trotz dieser adaptierten Nutzung bleiben Wünsche offen. Je nach Dimensionen können sie geäußert oder ausprobiert werden. Denkbar sind eine Ausweitung des Spielbereiches oder die Möglichkeiten einer kommunikativen Überbrückung der Baustelle. Ein digitales Terminal pro Prozessabschnitt erweitert die analoge Aneignung. An diesen Stellen hat man Zugriff auf Informationen zu den einzelnen Projekten sowie der organisatorischen Struktur der Baustelle Mehringplatz.
Außerdem lassen sich beispielsweise im Bereich Provokation mit Hilfe des Terminals Wünsche und Forderungen an den Zaun projizieren. Sämtliche Informationen werden auf der Webseite zusammengetragen und runden das Projekt ab. Über eine Ausschreibung werden Patenschaften für die einzelnen Prozesse vergeben. Denkbar ist die Übernahme durch ortsansässige Arbeitskreise. Auf diese Weise entsteht ein Kollektiv, welches sich selbst organisiert und gegenseitig motiviert. Ein auf der Webseite integrierter Kalenderermöglicht einzelnen Paten Termine und Veranstaltungen einzutragen und zu organisieren.